SR 822.11 Bundesgesetz vom 13. März 1964 über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel (Arbeitsgesetz, ArG)

IV. Sonderschutzvorschriften

Jugendliche Arbeitnehmer

 

Art. 29 Allgemeine Vorschriften

Allgemeine Vorschriften

1 Als Jugendliche gelten Arbeitnehmer beider Geschlechter bis
zum vollendeten 18. Altersjahr.

2 Der Arbeitgeber hat auf die Gesundheit der Jugendlichen
gebührend Rücksicht zu nehmen und für die Wahrung der
Sittlichkeit zu sorgen. Er hat namentlich darauf zu achten, dass
die Jugendlichen nicht überanstrengt werden und vor schlechten
Einflüssen im Betriebe bewahrt bleiben.

3 Die Verwendung Jugendlicher für bestimmte Arbeiten kann
zum Schutze von Leben und Gesundheit oder zur Wahrung der
Sittlichkeit durch Verordnung untersagt oder von besonderen
Voraussetzungen abhängig gemacht werden.

4 Bei der Einstellung eines Jugendlichen hat der Arbeitgeber
einen Altersausweis zu verlangen. Durch Verordnung kann
bestimmt werden, dass ausserdem ein ärztliches Zeugnis
beizubringen ist.

 

Art. 30 Mindestalter

Mindestalter

1 Vor dem vollendeten 15. Altersjahr dürfen Jugendliche nicht
beschäftigt werden. Vorbehalten bleiben die Absätze 2 und 3.

2 Durch Verordnung wird bestimmt, für welche Gruppen von
Betrieben oder Arbeitnehmern sowie unter welchen
Voraussetzungen:

a. Jugendliche im Alter von über 13 Jahren zu Botengängen
und leichten Arbeiten herangezogen werden dürfen;

b. Jugendliche im Alter von unter 15 Jahren bei kulturellen,
künstlerischen und sportlichen Darbietungen sowie in der
Werbung beschäftigt werden dürfen.

3 Die Kantone, in denen die Schulpflicht vor dem vollendeten 15.
Altersjahr endigt, können durch Verordnung ermächtigt werden,
für schulentlassene Jugendliche im Alter von mehr als 14 Jahren
unter besonderen Voraussetzungen Ausnahmen zu bewilligen.

 

Art. 31 Arbeits- und Ruhezeit

Arbeits- und Ruhezeit

1 Die tägliche Arbeitszeit der Jugendlichen darf diejenige der
andern im Betriebe beschäftigten Arbeitnehmer und, falls keine
anderen Arbeitnehmer vorhanden sind, die ortsübliche
Arbeitszeit nicht überschreiten und nicht mehr als neun Stunden
betragen. Auf die Arbeitszeit sind allfällige Überzeitarbeit sowie
obligatorischer Unterricht, soweit er in die Arbeitszeit fällt,
anzurechnen.

2 Die Tagesarbeit der Jugendlichen muss, mit Einschluss der
Pausen, innerhalb eines Zeitraumes von zwölf Stunden liegen.
Jugendliche bis zum vollendeten 16. Altersjahr dürfen höchstens
bis 20 Uhr und Jugendliche von mehr als 16 Jahren höchstens bis
22 Uhr beschäftigt werden. Vorbehalten bleiben abweichende
Bestimmungen über die Beschäftigung Jugendlicher im Sinne
von Artikel 30 Absatz 2.

3 Jugendliche dürfen bis zum vollendeten 16. Altersjahr zu
Überzeitarbeit nicht eingesetzt werden.